Von Anachronismus bis Zeitgeist – Die Welt des Andreas Hentschel - maennerformat.de | Männermagazin




Von Anachronismus bis Zeitgeist – Die Welt des Andreas Hentschel


Andreas Hentschels Uhrenmanufaktur in Eppendorf hat in den vergangenen Jahrzehnten internationales Renommee erlangt – obwohl sich der 46-Jährige klassischen Marketingstrategien verweigert. Andreas Hentschel über die Allgegenwart der Zeitmessung, wahren Luxus und die Uhr fürs Leben.

Zu Zeiten der ersten Chronometer lag in jeder Ungenauigkeit der Uhr auch ein unkalkulierbares Risiko den Zielhafen nicht zu erreichen. Heute sind Navigationsgeräte und digitale Anzeigen ein ständiges Korrektiv. „Die Uhrzeit umgibt uns überall: auf Handys, in Autos, auf Bildschirmen und Displays. Allein um die Zeit ablesen zu können, muss nun wirklich niemand einige tausend Euro für eine Uhr von uns ausgeben“, sagt Andreas Hentschel. Genau dieser Anachronismus seiner Arbeit reizt ihn besonders: „Uhrenliebhaber tun es dennoch und mit Leidenschaft. Weil eine mechanische Uhr nicht nur die Zeit anzeigt. Sie steht für Werte, die über alle Zeitläufe hinweg Bestand haben: Stil, makellose Qualität, großes, handwerkliches Können und Liebe zum Detail. Uhren sind Kunstwerke und persönliche Begleiter“, so Hentschel.

(c) Bild: Uhrenmanufaktur Andreas Hentschel

(c) Bild: Uhrenmanufaktur Andreas Hentschel

Sein Anspruch ist es, Uhren anzufertigen, die Generationen überdauern und persönliche Attribute ihre Trägers reflektieren. Das Herz einer jeden Hentschel-Uhr ist dabei immer ein historisches Uhrwerk, meist das mehrfach preisgekrönte, legendäre Kaliber AS 1130, das auch als Wehrmachtkaliber bekannt ist und als außergewöhnlich hochwertig sowie langlebig gilt. Hentschel findet die begehrten Lager-Bestände in Archiven, nimmt die Werke dann Stück für Stück auseinander und veredelt sie nach allen Regeln der Uhrmacherkunst. Der Kunde kann sich bei jedem Arbeitsschritt einbringen, Design und Machart bestimmen oder ein Werk aus seinem Geburtsjahr wählen. „Gemeinsam mit dem künftigen Träger entsteht so ein persönliches Objekt und eine Uhr für das ganze Leben.“ Drei Modelle bietet Hentschel an: Runde, bis aufs Minimum reduzierte Klassiker mit einem von Hentschel entwickelten Wechselsystem für das Armband und einem gewölbten Spezialglas, das den Schattenwurf der Zeiger verhindert. „Die Kunst liegt darin, auf das Wesentliche zu reduzieren. Einfach ist am schwersten. Mich interessiert nur das Klassische, das Beständige“, erklärt Hentschel seine Ästhetik, die nicht auf Trends setzt: „Wir haben den Code der Klassischen Armbanduhr geknackt. Diese Formen überdauern alle Zeit.“

Der wahre Wert seiner Meisterwerke liegt stets verborgen im Innern: in einem von Hand veredeltem Uhrwerk – entweder von Hentschel persönlich, oder durch einen seiner drei Uhrmacher. „Bei uns ist kein Arbeitsschritt automatisiert. Eine Uhr bleibt auch immer in der Hand eines Meisters“, so Hentschel, dessen Klientel seine zurückhaltenden Zeitmesser schätzt. „Meine Kunden wollen nicht, dass man mit einem Blick auf das Handgelenk den Wert feststellen kann. Understatement ist auch ein Statement. „Meine Kunden und ich definieren Zeitgeist nicht über eine Mode, sondern über Nachhaltigkeit, Qualität und Stil, der kein Verfallsdatum hat. Auf eine echte Hentschel müssen Käufer etwa drei bis sechs Monate warten. Rund 200 Stück werden jährlich in Eppendorf und auch in Kampen auf Sylt bestellt. Aber Hentschel versendet seine Uhren, die ab 5.000 Euro zu haben sind, auch in die ganze Welt, denn sein Renommee ist längst über die Grenzen Deutschlands hinaus gewachsen. Geschafft hat er all dies ohne Werbeetat oder Vermarktungsstrategien. Hentschel setzt auch hier auf den Anachronismus: Höchste Qualität ohne Kompromisse spricht sich rum.

Das Stammhaus der Hentschel Hamburg Uhrenmanufaktur findet man in Eppendorf, in der Geschwister-Scholl-Straße 119, in Hamburg. Hier verbringt er viele Stunden in völliger Konzentration und Abgeschiedenheit, um winzige Schrauben in Mohnkorngröße dem Mikrokosmos des Uhrwerks einzugliedern. „Das ist wie Meditation“, so Hentschel, der als passionierter Genussmensch den Uhren-Club „Mechanische Welten“ gründete, dessen Mitglieder sich mit Hingabe den Traditionen des Uhrmacherhandwerks widmen. Doch Hentschel und seinen Anhängern geht es dabei natürlich nicht allein um Wissensaustausch sondern um den Genuss dabei. So entdecken die Mitglieder gemeinsam bei erlesenen Rotweinen oder einer guten Zigarre, Hintergründe und Geschichten aus der Welt edler Zeitmesser. Feste Statuten oder Regularien sind nicht vorgesehen. „Wir sind nur dem Motto verpflichtet, dass unsere knappe Zeit nicht nur stilvoll gemessen, sondern auch bewusst erlebt und genossen werden soll.“

Weitere Informationen unter www.hentschel-hamburg.de

 


 

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