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Starthilfe Batterie überbrücken


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Starthilfe: Auf die Reihenfolge kommt es an (c) Bild: TÜV SÜD AG

TÜV SÜD: Wo muss nochmal welches Kabel hin?

Im Winter steigt der Anteil batteriebedingter Einsätze der Pannendienste auf bis zu 80 Prozent. Denn ohne ausreichend Strom sind moderne Autos praktisch nicht mehr in Gang zu bekommen. Eine Möglichkeit: Die Starthilfe mit einem anderen Fahrzeug. Dazu müssen die beiden Batterien jedoch exakt und in der richtigen Reihenfolge miteinander verbunden werden, sonst drohen teure Elektronikschäden. Eine kleine Batteriekunde und praktische Tipps von TÜV SÜD, wenn der Wagen nicht anspringt.

Starthilfe: Ist der Notfall da, erst einmal alle unnötigen Stromverbraucher wie Licht, Klimaanlage, Sitzheizung, Radio und Co. abschalten. Reagiert der Motor in den ersten zehn Sekunden nicht, eine Minute bis zum nächsten Versuch warten, um die Batterie nicht zu überlasten. Hilft alles nichts, leistet ein Starthilfekabel wertvolle Dienste. „Dabei die Kabel aber genau in der richtigen Reihenfolge an- und wieder abklemmen“, sagt Eberhard Lang. Sonst können Knallgasexplosion und teure Elektronikschäden drohen. So wird’s gemacht: Motoren aus. Zuerst das rote Kabel an den Pluspol der Geberbatterie anklemmen und es mit dem Pluspol der Nehmerbatterie verbinden. Danach das schwarze Kabel an den Minuspol der Geberbatterie anklemmen und mit dem Motorblock des Nehmerfahrzeugs verbinden. Den Motor des Geberfahrzeugs starten. Motor Nehmerfahrzeug versuchen zu starten. Läuft das Nehmerfahrzeug, evtl. Licht und Heckscheibenheizung einschalten. Hat alles geklappt, die Kabel in umgekehrter Reihenfolge (zuerst schwarz, dann rot) wieder abklemmen. Achtung auf rotierende Teile bei laufendem Motor.

Inspektion: Wem das zu kompliziert ist, der beugt der Batterie-Panne am besten vor, indem er sein Fahrzeug regelmäßig zur Inspektion bringt. Die Fachleute messen dabei nicht nur die Spannung und Stromstärke des Generators, sondern schauen auch auf Kraft und Alter der Batterie. Gibt es Schwankungen oder Abweichungen, werden die Batterie oder der Generator ausgetauscht.

Wartung: Moderne Blei-Akkus gelten generell als wartungsfrei oder wartungsarm. Trotzdem sollte (wenn möglich) der Flüssigkeitsstand einmal im Jahr kontrolliert werden. Ist er zu niedrig, hilft destilliertes Wasser. Hängt der Flüssigkeitsverlust mit einem defekten Gehäuse zusammen, muss jedoch eine neue Batterie her. Bei völlig wartungsfreien Akkus sind die Zellen oft gar nicht mehr zugänglich. Ist eine solche Batterie zu schwach, helfen nur noch Aufladen oder Austausch. TÜV SÜD-Experte Lang empfiehlt darüber hinaus, die Oberfläche der Batterie sauber und trocken zu halten. Bei der jährlichen Kontrolle auch den festen Sitz der Polklemmen prüfen.

Aufladen: Springt der Motor schlechter an, wenn es draußen kälter wird, können technisch Versierte versuchen, den Akku durch Aufladen noch einmal fit zu machen. Zum Aufladen das Kraftpaket unbedingt abklemmen (immer zuerst den Minuspol ab- oder anklemmen), denn manche Ladegeräte können kurz eine höhere Spannung erzeugen, als es der Bordelektronik lieb ist. Das gilt vor allem für leistungsstarke Schnellladegeräte, bei denen der Einschaltstrom oft recht hoch ist und es einen kurzfristigen Spannungsausschlag gibt. Achtung: Nach dem Abklemmen müssen Audiosysteme und individuelle Einstellungen der Bordelektronik oft neu programmiert oder kodiert werden. Auch beim Anschluss ans Ladegerät wieder auf die richtigen Pole achten (Rot heißt Plus!) und: immer zuerst die Batterie ans Ladegerät und das dann ans Netz anschließen.

Hat die Batterie Verschlussstopfen oder entfernbare Abdeckleisten für die Zellen, sollten sie abgenommen werden (Vorsicht Säure). Beim Laden kann vor allem in der Schlussphase und bei älteren Ladegeräten Knallgas entstehen, das bei offenen Zellen leichter seinen Weg aus der Batterie findet. Eine gute Lüftung der „Ladestelle“ ist deshalb nötig. „Knallgas ist auch der Grund, warum Feuer und Zigaretten in der Nähe von ladenden Batterien nichts zu suchen haben“, unterstreicht Lang. Beim Abklemmen der Anschluss-Zangen ist ebenfalls Vorsicht angesagt, damit kein Funken das Gas zünden kann. Deshalb immer zuerst das Ladegerät vom Netz trennen.

Aufwärmen: Bei strenger Kälte vor dem Starten erst mal kurz (bis zu drei Minuten) Scheinwerfer einschalten. Dieser Tipp hört sich verrückt an, ist es aber nicht. Tatsächlich liefert eine (gesunde) Batterie damit einen höheren Startstrom. Ihr hilft eine Aufwärmphase. Bei einer kaputten oder ungenügend geladenen Batterie bringt die „Erleuchtung“ aber nichts.

Hybrid- und Elektrofahrzeuge: Sie haben verschiedene Stromkreisläufe für den Antrieb und die elektrische Versorgung der Aggregate. Laufen Lichtmaschine, Anlasser, Klimaanlage und Co. weiterhin mit 12 Volt, ist der Elektromotor mit bis zu 1.000 Volt unterwegs. Alle Stromkreisläufe sind an leistungsstarke Batterien gekoppelt, die für die ausreichende Spannung im Stand sorgen. „Weil ein Leistungsaustausch zwischen den Kreisläufen stattfindet, ist mit einem Ausfall nicht zu rechnen“, erläutert Lang. Während der Fahrt sorgt neben der Lichtmaschine auch die Rekuperationstechnik für ständiges Aufladen der Batterien. Dabei wird die Bremsenergie beim Verzögern in die Batterie zurückgeführt. Dass der Hybrid nicht „anspringt“, ist also mehr als unwahrscheinlich – los geht es ohnehin im Strombetrieb.

Start-Stopp-Automatik: Immer mehr Autos werden serienmäßig mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet. Das schont die Umwelt, belastet aber die Batterie. Deswegen werden solche Fahrzeuge mit besonders leistungsstarken Generatoren und speziellen Akkus ausgestattet, die speziell für die häufigen Starts entwickelt wurden.

Schieben: Anschieben ist heute nur noch bei den wenigsten Fahrzeugen möglich, weil Motorsteuerung, Benzinpumpe, Luftmengenmesser und Co. soviel Strom schon vor dem und für den Start benötigen, der durch Anschieben und sehr kurzes Drehen des Generators nicht bereitgestellt werden kann. Auch ist der Anteil der Automatikfahrzeuge heute relativ hoch. Sie lassen sich ohnehin wegen des fehlenden Kraftschlusses nicht anschieben.

Schonen: Kurzstrecken schaden nicht nur der Umwelt, sondern auch der Batterie. Fahrten unter zehn Kilometern belasten den Akku, weil er nicht wieder vollständig aufgeladen wird. Stark beansprucht wird die Batterie bei kurzen Winterfahrten ebenfalls, weil viele Verbraucher wie Heckscheibenheizung, Gebläse, Motor-Heiz-Unterstützer und Co. eingeschaltet sind. Stop&Go-Verkehr und Ampelstopps mit viel Leerlaufbetrieb verstärken den negativen Effekt noch. Das beeinträchtigt sowohl die Lebensdauer als auch die Kaltstartleistung des Auto-Akkus. Manches vergebliche Orgeln an einem kalten Wintermorgen beruht nicht auf einer kaputten, sondern nur leeren Batterie.

Quelle: TÜV SÜD AG

 


 

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