Wenn der Wein wieder stiften geht – Oder: was tut Winzer Ferry Schindler im Winter? - maennerformat.de | Männermagazin




Wenn der Wein wieder stiften geht – Oder: was tut Winzer Ferry Schindler im Winter?


Ferry und Franz Schindler (c) Weingut Franz Schindler

Der erste Schnee ist vielerorts gefallen und die Temperaturen haben den Frostbereich erreicht. Während wir es uns bei Kerzenschein und mit Kuscheldecken auf der Couch gemütlich machen, treibt es in Mörbisch am See Winzer Ferry Schindler in den Keller des Weingutes. Was er da so tut und welcher Wein für ihn in die Winterzeit gehört, verrät er uns im Interview:

Man könnte ja meinen, dass der Winzer im Moment wenig zu tun hat. Die Ernte ist eingefahren, der Wein lagert. Und du hältst Winterschlaf?

(lacht) Da hätte meine kleine Tochter etwas dagegen. Die ist morgens als erste munter. Aber tatsächlich war früher die Winterzeit im Weingut ruhiger. Heutzutage endet die Saison eines Winzers nie! Meine Reben haben zwar Winterruhe, aber dafür heißt es jetzt das Geschäft ankurbeln mit Verkaufsreisen und Präsentationen. Und natürlich bin ich viel im Weinkeller. Wenn man die vegetative Phase berücksichtig, kann man aber sagen, dass die „Saison“ quasi mit dem Rebschnitt im neuen Jahr beginnt.

Was machst du im Weinkeller?

Probieren. (schmunzelt) Ich brauch ja auch im nächsten Jahr guten Wein für den Verkauf, also  kontrolliere ich regelmäßig die Entwicklung der gelagerten Weine. Zudem werden bald schon die ersten 2017er in Flaschen gefüllt. Aktuell bin ich außerdem mit der Jungweinbehandlung beschäftigt. Dazu gehören die Filtration und das wöchentliche Vollstiften der 120 Barriques.

Das Vollstiften?

Ja, das Auffüllen der Fässer. Jedes Jahr gehen mir bis zu 700 Liter Wein stiften. Das heißt, er verdunstet oder die Fässer saugen den gelagerten Wein auf. Deshalb sind benutzte Fässer auch innen rot. Barrique-Fässer haben eine größere Oberfläche und schlürfen ordentlich Wein weg. Natürlich darf keine Luft in den Fässern sein, sonst kippt der Wein. Deshalb fülle ich den verlorenen, also den stiften gegangenen Wein wieder auf, mit Wein aus meinem „Immervoll“-Tank.

Wenn du dann mal Feierabend hast, welcher Wein kommt im Winter in dein Glas?

Ein Kaminwein muss für mich rot sein. Er sollte sehr kräftig und stoffig sein, eher mit Holz und Toastingnote punkten und lange am Abgang verweilen.

Was trinkt Familie Schindler an Heiligabend?

Viel (lacht). Am Heiligabend sitzt im Normalfall die ganze Familie zusammen. Das nutzen wir für eine ausgedehnte Weinverkostung. Dann gönnen wir uns auch mal ein edles Tröpfchen aus dem eigenen Sortiment, wie unseren Merlot. Aber wir probieren auch renommierte Namen aus der nationalen und internationalen Weinwelt!

Dein Weintipp für Weihnachten?

Hier geht es natürlich in erster Linie um den persönlichen Geschmack! Aber grundsätzlich hört man doch des Öfteren, dass gerade zur Weihnachtszeit eher rot getrunken wird und dass auch noch kräftig. Zur Weihnachtsgans zum Beispiel passt auch besser ein kräftiger Rotwein, wie unser Cabernet Sauvignon, als ein leicht fruchtiger Rosé. Ausnahme ist natürlich der traditionelle Weihnachtskarpfen. Hier würde ich zu einem vollmundigen Chardonnay oder Sauvignon blanc raten.

Weihnachten ist ja auch Glühwein-Zeit. Kann man jeden Wein dafür verwenden?

Im Prinzip ja. Ich persönlich suche aber immer milden Wein mit wenig Säure aus. Na ja und ehrlich gesagt sind die höheren Qualitäten für Glühwein einfach zu schade. Mein Tipp ist übrigens: ein paar Prozent eines duftigen Weines, wie Muskat oder Traminer, dazuzugeben. Dann erspart man sich den Großteil an Gewürzen.

Weihnachtliche Kaminweine aus dem Weingut Franz Schindler

Merlot 2013 – Der Wein wird bis zu 24 Monaten in neuen, 1-jährigen Barriques gelagert. Die reife würzige Beerenfrucht stammt aus dem ältesten Weingarten des Weingutes und entwickelt durch ihre lange Fassruhe mächtiges Holz und kräftige Struktur.

Cabernet Sauvignon 2013 – Der Wein begeistert durch Farbtiefe, extreme Dichte und einer unbändig wirkenden Tanninstruktur. Im Duft erkennt man die bekannten Cassisaromen, gepaart mit tollem Holz internationaler Klasse. Am Gaumen wirkt der junge Wein noch ungezähmt, lässt aber keinen Zweifel an seinem enormen Potential.

 


 

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